Die Geschichte des Tätowierens

5.300 Jahre Körperkunst: Von steinzeitlichen Ritualen bis zur modernen Tattoo-Kultur

Die Geschichte des Tätowierens ist so alt wie die Menschheit selbst. Seit über 5.000 Jahren verzieren Menschen ihre Körper mit permanenten Zeichen - als Ausdruck von Zugehörigkeit, Spiritualität, Heilung oder persönlicher Identität. Was einst ein Privileg von Königen, Kriegern und Schamanen war, ist heute eine anerkannte Kunstform, die Menschen aller Gesellschaftsschichten verbindet.

Die Reise der Tattoo-Kunst führt uns von den eisigen Alpen, wo die Gletschermumie Ötzi die ältesten bekannten Tätowierungen trägt, über die Südsee-Inseln mit ihrer reichen polynesischen Tattoo-Tradition bis in die modernen Tattoo-Studios von Berlin, Hamburg und München. In diesem umfassenden Artikel erfährst du alles über die faszinierende Entwicklung dieser jahrtausendealten Kunstform.

Ob du selbst Tätowieren lernen möchtest oder einfach mehr über die kulturellen Wurzeln deiner Körperkunst erfahren willst - diese Zeitreise durch die Geschichte der Tätowierung wird dich inspirieren.

STEINZEIT

Ötzi: Die ältesten Tattoos der Welt

Im Jahr 1991 machten Wanderer in den Ötztaler Alpen einen sensationellen Fund: Eine über 5.300 Jahre alte Gletschermumie, die heute als "Ötzi" bekannt ist. Die wissenschaftliche Untersuchung offenbarte 61 Tätowierungen auf seinem Körper - kleine Striche und Kreuze, hauptsächlich an Stellen mit Gelenkverschleiß.

Die Tattoos wurden durch Einritzen der Haut und Einreiben von Kohlenstaub erzeugt. Forscher vermuten, dass sie therapeutischen Zwecken dienten - eine Art steinzeitliche Akupunktur zur Schmerzlinderung. Dies zeigt, dass Tätowierungen von Anfang an mehr als reine Dekoration waren.

Wusstest du? Ötzis Tattoos befinden sich exakt an Akupunkturpunkten, die auch in der traditionellen chinesischen Medizin zur Schmerzbehandlung verwendet werden - obwohl diese erst 2.000 Jahre später dokumentiert wurde!

5.300+

Jahre alt sind Ötzis Tätowierungen

61

Tattoos wurden auf seiner Haut gefunden

19

Körperstellen sind tätowiert

ANTIKE HOCHKULTUREN

Tattoos in Ägypten, Griechenland und Rom

Altes Ägypten (ca. 2000 v. Chr.)

Im alten Ägypten waren Tätowierungen hauptsächlich Frauen vorbehalten. Die Mumie der Priesterin Amunet aus der 11. Dynastie zeigt abstrakte Punktmuster und Linien auf Bauch, Oberschenkeln und Armen. Forscher vermuten, dass diese Tattoos mit Fruchtbarkeit und spirituellem Schutz verbunden waren.

Die Tätowierungen wurden mit Bronze-Nadeln und einer Mischung aus Ruß und Muttermilch gestochen - eine erstaunlich hygienische Technik für die damalige Zeit.

Griechenland & Rom

In der griechisch-römischen Welt hatten Tattoos einen ambivalenten Ruf. Während die Griechen sie als "barbarisch" betrachteten, nutzten sie Tätowierungen ironischerweise zur Kennzeichnung von Sklaven und Kriminellen. Das griechische Wort "stigma" (Brandmal) ist bis heute negativ konnotiert.

Gleichzeitig trugen römische Soldaten oft Tätowierungen als Zeichen ihrer Legionszugehörigkeit - eine Tradition, die sich bis zu modernen Militär-Tattoos fortsetzt.

POLYNESIEN

Die Wiege des modernen Tattoos

Polynesien gilt als die spirituelle Heimat der Tattoo-Kultur. Das Wort "Tattoo" selbst stammt vom tahitianischen "tatau" ab, das der britische Entdecker James Cook 1769 erstmals für Europäer dokumentierte. In keiner anderen Kultur der Welt waren Tätowierungen so tief in Gesellschaft, Religion und Identität verwurzelt.

Maori (Neuseeland)

Das "Tā moko" der Maori ist einzigartig: Die Muster werden mit Meißeln in die Haut geritzt, nicht gestochen. Jedes Design erzählt die Lebensgeschichte des Trägers - Herkunft, Status, Erfolge und spirituelle Verbindungen.

Samoa

Die samoanische "Pe'a" (Männer) und "Malu" (Frauen) sind komplexe Ganzkörper-Tattoos, die den Übergang zum Erwachsensein markieren. Der schmerzhhafte Prozess dauert mehrere Wochen und gilt als Mutprobe.

Hawaii

Hawaiianische Tattoos ("Kakau") repräsentierten Schutz, Genealogie und Rang. Nach dem Verbot durch Missionare im 19. Jahrhundert erlebt die Tradition heute eine Renaissance.

Tahiti

In Tahiti entwickelte sich eine der komplexesten Tattoo-Kulturen. Das traditionelle "Tatatau" gab der westlichen Welt den Begriff "Tattoo" - eingeführt durch James Cooks Reiseberichte 1769.

Die traditionelle Technik

Polynesische Tätowierer verwendeten Werkzeuge aus Knochen, Schildkrötenschale oder Haifischzähnen, die an Holzgriffen befestigt waren. Die Farbe (meist aus verbrannten Kokosnüssen) wurde durch rhythmisches Klopfen in die Haut eingebracht. Diese Methode wird "Hand-Tapping" genannt und wird von traditionellen Künstlern bis heute praktiziert.

JAPAN

Irezumi: Die Kunst der japanischen Tätowierung

Die japanische Tattoo-Tradition "Irezumi" (wörtlich: "Tinte einbringen") gehört zu den anspruchsvollsten und kunstfertigsten Stilen der Welt. Die großflächigen, farbenprächtigen Motive - von Koi-Karpfen über Drachen bis zu Kirschblüten - erzählen komplexe Geschichten und folgen strengen ästhetischen Regeln.

Epoche Zeitraum Bedeutung
Jōmon-Zeit 14.000-300 v. Chr. Erste Hinweise auf Gesichtstätowierungen bei japanischen Ureinwohnern
Kofun-Zeit 300-600 n. Chr. Tattoos zur Kennzeichnung von Kriminellen ("Bokkei")
Edo-Zeit 1603-1868 Blütezeit des dekorativen Irezumi, Feuerwehrleute und Handwerker lassen sich tätowieren
Meiji-Zeit 1868-1912 Verbot von Tattoos zur "Modernisierung" Japans
Nachkriegszeit Ab 1948 Legalisierung, aber gesellschaftliches Stigma durch Yakuza-Verbindung

Tebori: Die traditionelle Handstichtechnik

Traditionelle japanische Tätowierer ("Horishi") verwenden die Tebori-Technik: Ein Bambusstab mit mehreren Nadeln wird von Hand in die Haut gestochen. Diese Methode erzeugt sanftere Farbverläufe und gilt als weniger schmerzhaft als Maschinen-Tattoos. Ein vollständiger Bodysuit ("Horimono") kann 5-10 Jahre in Anspruch nehmen und kostet oft über 30.000 Euro. Wenn du mehr über traditionelle und moderne Tätowierer Ausbildungen erfahren möchtest, findest du hier alle Informationen.

19.-20. JAHRHUNDERT

Die westliche Tattoo-Revolution

Mit der Erfindung der elektrischen Tattoo-Maschine 1891 begann ein neues Kapitel der Tattoo-Geschichte. Was einst Seefahrern und Außenseitern vorbehalten war, entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zur anerkannten Kunstform.

1891

Erste Tattoo-Maschine

Samuel O'Reilly patentiert die erste elektrische Tattoo-Maschine in New York, basierend auf Thomas Edisons Graviergerät.

1920er

Sailor Jerry & Old School

Norman "Sailor Jerry" Collins entwickelt den ikonischen American Traditional Style mit kräftigen Linien und begrenzter Farbpalette.

1960er

Tattoo-Renaissance

Künstler wie Lyle Tuttle bringen Tattoos in den Mainstream. Janis Joplin und andere Rockstars tragen offen Tattoos.

1980er

Neue Stile entstehen

Realismus, Tribal, Biomechanik - die Tattoo-Kunst diversifiziert sich. Erste Tattoo-Conventions finden statt.

2000er

Mainstream-Akzeptanz

TV-Shows wie "Miami Ink" machen Tattoos gesellschaftsfähig. Die Branche professionalisiert sich mit Hygienestandards.

Heute

Globale Kunstform

Über 30% der Deutschen unter 35 haben mindestens ein Tattoo. Neue Stile wie Fineline und Watercolor entstehen.

HÄUFIGE FRAGEN

Fragen zur Geschichte des Tätowierens

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Tattoo-Historie

Die ältesten bekannten Tattoos stammen von Ötzi, der Gletschermumie, und sind über 5.300 Jahre alt. Tätowierungen gehören damit zu den ältesten Formen menschlicher Körperkunst.

Das Wort "Tattoo" leitet sich vom polynesischen "tatau" ab, was "Zeichen" oder "Markierung" bedeutet. Es wurde durch den Entdecker James Cook im 18. Jahrhundert nach Europa gebracht.

Historisch dienten Tattoos verschiedenen Zwecken: als Stammeszugehörigkeit, spiritueller Schutz, medizinische Behandlung (wie bei Ötzi), Statussymbol oder zur Kennzeichnung von Gefangenen und Sklaven.

Die erste elektrische Tattoo-Maschine wurde 1891 von Samuel O'Reilly patentiert. Sie basierte auf Thomas Edisons elektrischem Stift und revolutionierte die Tattoo-Industrie.

In Deutschland erlebten Tattoos ab den 1980er Jahren einen Aufschwung. Seit den 2000er Jahren sind sie gesellschaftlich akzeptiert und gehören heute zum Mainstream.

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Tattoo Ausbilder Kenneth Zach

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